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Gefangenenlager Ebersdorf 1914-1920.

In Deutschland wuchsen mit Beginn des Ersten Weltkriegs insgesamt 175 Kriegsgefangenenlager aus dem Boden, darunter 8 in Sachsen, eines davon im damals zur Amtshauptmannschaft Flöha gehörigen Ebersdorf.

Dort begann man auf der Anhöhe hinter dem Wald am Schnellen Markt, wo sich bereits mit einem Dynamitlager eine militärische Einrichtung befand, Anfang 1914 mit dem Bau einer Kaserne, in welche das Feldartillerie-Regiment Nr. 68 einziehen sollte.

Der Kriegseintritt führte jedoch dazu, dass man die Kaserne als Gefangenenlager umfunktionierte und bereits drei Monate nach Kriegsbeginn am 2. Dezember 1914 die ersten 60 Kriegsgefangenen einzogen. Unter den teils leicht Verletzten waren Franzosen, Belgier und Russen zu finden. Sie fanden zunächst ein noch unfertiges Lager im Sinne der Haager Verordnung vor, so gab es noch keine fertigen Sanitär- und Kanalisationsanlagen. Die ersten Gefangenen mussten in den Stallungen ihr Heim suchen. Spätestens im September 1915 scheint das Lager dann jedoch komplett eingerichtet gewesen zu sein, denn am 16. des Monats lud der Lagervorstand Presse zu einer Lagerführung ein. Ziel war es natürlich, der Welt eine vereinbarungsgemäß humane Behandlung der Gefangenen zu zeigen. Die Presse berichtete gleichtönend sodann auch von glücklichen und zufriedenen Gefangenen.

In Deutschland zählte man insgesamt 2.526.922 Gefangene (Durchschnitt 14.440 Gefangene je Lager), darunter auch 111.879 Zivilisten.

Für Ebersdorf sind zunächst folgende Zahlen überliefert:

  

Zeitpunkt

  

  

Gefangene

  

insgesamt

  

  

davon

  

Franzosen

  

  

davon

  

Russen

  

  

davon Belgier

  

  

davon

  

Engländer

  

  

davon

  

Italiener

  

  

davon

  

Serben

  

  

16.09.1915

  

  

4.349

  

  

3.573

  

  

739

  

  

34

  

  

2

  

  

 

  

  

 

  

  

10. Oktober 1918

  

  

23.098

  

  

7.306

  

  

10.941

  

  

12

  

  

2.888

  

  

1.414

  

  

537

  

  

Januar 1919

  

  

6.000

  

  

 

  

  

über 3.000

  

  

 

  

  

 

  

  

 

  

  

 

  

 

Offen bleibt noch eine wichtige Frage: Waren im Chemnitzer Lager 6000 Gefangene gleichzeitig interniert oder tatsächlich 23.000? Waren es "nur" 6000, wie öfters angegeben wird, dann stellt sich die Frage, wie sich die hohe Fluktuation der weiteren 17.000 gefangenen erklären lässt. Über einen regelmäßigen Austausch von Gefangenen ist nicht bekannt. Auch erscheinen wiederholte Entlassungen nicht realistisch. Theoretisch wären ja aller halbe Jahre 2000 Gefangene das Lager verlassen und in gleicher Anzahl neue ankommen müssen. Nur dies erkläre die Zahl von 23.000 Gefangenen. ODER aber es waren tatsächlich zu einem Zeitpunkt 23.000  Gefangene in Ebersdorf. DAS wäre dann ein wirklich unhaltbarer Zustand gewesen!

 

Eine komplette Ausarbeitung ist der Geschichte des Gefangenenlagers ist vorgesehen, ein Zeitraum jedoch nicht absehbar. Bitte kontaktieren Sie uns, wir suchen noch kundige Mitstreiter!
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eitere Informationen können nur nach und nach folgen.